Forum für psychoanalytische Forschung

Juni 19, 2009

Szenisches Verstehen – Beitrag zur Diskussion der Methoden psychoanalytischer Sozialforschung 1

Da ich gerne (entweder im Forum oder aber via blog) über die Methoden psychoanalytischer Textinterpretation im Rahmen psychoanalytischer Sozialforschung diskutieren würde, habe ich kurz im Internet nach möglichen Beiträgen zum szenischen Verstehen gesucht und zumindest auf die Schnelle nichts gefunden. Ich poste daher eine recht alte Hausarbeit von mir zu dem Thema, die ich aber immer noch einigermaßen in Ordnung finde. In dieser stelle ich Unterschiede und Gemeinsamkeiten des szenischen Verstehens bei Argelander und Lorenzer dar. Szenisches Verstehen Lippmann

Alte Bekannte

Ich habe den relaunch des blogs als Anlass genommen im Internet nach Spuren von ehemaligen TeilnehmerInnen des Forums zu forschen. Hier die Ergebnisse:

Was macht also z.B. Anna Tuschling: Sie hat eine Stelle am Institut für Medienwissenschaft in Basel. Ihre Dissertation wird voraussichtlicht im August unter dem Titel „Klatsch im Chat – Freuds Theorie des Dritten im Zeitalter elektronischer Kommunikation“ bei transcript erscheinen. Letztes Jahr hat sie einen den Kongress „medias in res“ in Basel mitorganisiert. Sämtliche Vorträge des Kongresses, die ich bis auf wenige Ausnahmen äußerst spannend fand, und noch viele weitere Vorträge kann man als podcast auf der Doku-website des IfM herunterladen (das Herunterladen lohnt sich für firefox User, da die Vorträge als live-stream in firefox nach der Hälfte abbrechen). Viele der Vorträge gehen medientheoretische Fragestellungen aus psychoanalytischer Perspektive nach. Alles sehr hörenswert – besonders auch der Vortrag von Anna Tuschling selbst:  “Messer ohne Klinge, an welchem der Stil fehlte”. G. C. Lichtenberg zu einer defekten Camera Obscura. In dem Vortrag legt Anna Tuschling eine wortwörtliche Lesart des bekannten Lichtenberg Zitats vor, dass z.B. in Freuds Witztheorie paradigmatisch für die Art des Unsinnswitz wurde. Neben der ausführlichen Darlegung der zahlreichen theoriegeschichtlicher Bezüge auf den Satz Lichtenbergs, gelingt es Anna Tuschling darzustellen, inwiefern sich das lichtenbergsche Messer als Vision der Funktionsweise des Computers interpretieren lässt.

Christine Kirchhoff arbeitet am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. Ihre Dissertation wird voraussichtlich im Oktober im Psychosozialverlag  erscheinen und trägt den Titel: „Das psychoanalytische Konzept der >>Nachträglichkeit<< – Zeit, Bedeutung und die Anfänge des Psychischen“ . Über die Vorträge, die sie in den letzten Jahren gehalten hat, lässt sich im Internet leider nichts in digitaler Form finden. Dafür hat jedoch der Ça ira-Verlag ihren Beitrag in dem von ihr 2004 mitherausgebenen Sammelband „Gesellschaft als Verkehrung – Perspektiven einer neuen Marx-Lektüre. Festschrift für Helmut Reichelt“ als Leseprobe auf der Verlags-website veröffentlicht: „Die Möglichkeit als eine der Wirklichkeit fassen – Über den Erfahrungsbegriff Theodor W. Adornos„. Hierbei handelt sich um eine überarbeitete und deutlich erweiterte Fassung eines von Christine Kirchhoff 2003 auf der Bremer Adorno Konferenz „Gesellschaft im Widerspruch“ gehaltenen Vortrags. Der Artikel hält, was der Titel verspricht – Christine Kirchhoff reflektiert die zentrale Bedeutung des Erfahrungsbegriffs für die kritische Gesellschaftstheorie Adornos. Kritische Theorie nicht nur referiert, sondern gedacht und weitergedacht.

Katharina Rothe forscht im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung im Verbundprojekt  Karriereverläufe von Ärztinnen und Ärzten in Leipzig und ist außerdem Redaktionsmitglied der Zeitschrift Psychoanalyse. Texte zur Sozialforschung. Ihre Dissertation ist Januar diesen Jahres unter dem Titel „Das (Nicht-)Sprechen über die Judenvernichtung – Psychische Weiterwirkungen des Holocaust in mehreren Generationen nicht-jüdischer Deutscher“ im Psychosozialverlag erschienen. Mit Oliver Decker et al. hat sie 2008 eine breit angelegte psychoanalytisch orientierte Studie zu Rechtsextremismus und Demokratieverständnis in Deutschland veröffentlicht: „Ein Blick in die Mitte. Zur Entstehung rechtsextremer und demokratischer Einstellungen in Deutschland“ – dies ist in der Tat der link zur kompletten Studie! Diese habe ich leider noch nicht gelesen, doch ich bin gespannt.

Juni 20, 2007

Thesen zur Massenpsychologie des Kinos

Gespeichert unter: Filmanalyse, Freud, Massenpsychologie, Psychoanalyse, Text — Schlagworte: , , — church-lippmann @ 7:55

Leider erst nachträglich stelle ich die Thesen zur Massenpsychologie des Kinos von Sonja Witte, die wir im März diskutiert haben, auf das blog:

Thesen zur Massenpsychologie des Kinos

November 17, 2006

Mein Text zur Zepfschen Theorie der Repräsentanzwelt

Gespeichert unter: Psychoanalyse, Text, Trieb — Schlagworte: , — tsto @ 2:13

Liebe TeilnehmerInnen,

Hier noch einmal mein Zepf-Dokument…

Viele Grüße,

Timo

Triebbegriff und Affektkonzeption Zepf

September 8, 2006

Bernd Nitzschke

Gespeichert unter: Freud, Psychoanalyse, Psychologie, Sexualität, Text, Trieb — church-lippmann @ 1:18

Bernd Nitzschke hat zahlreiche seiner Texte im Netz veröffentlicht (http://www.werkblatt.at/nitzschke/start.html). Für unsere Diskussion des Triebbegriffs halte ich besonders zwei Texte für interessant:

Die Bedeutung der Sexualität im Werk Sigmund Freuds

Der historische Hintergrund der Beziehungen zwischen akademischer Psychologie und Psychoanalyse

Im ersten Text setzt sich Nitzschke sehr detailiert mit dem freudschen Begriff der Sexualität und damit mit dem Begriff des Sexualtriebs, auseinander – sehr spannend so lange er dicht bei Freud bleibt. Im zweiten Text wird deutlich wie weitgehend Freud die Psychoanalyse als Psychologie verstanden hat und wie tiefgreifend zugleich die Differenzen zur akademischen Psychologie waren und sind.

September 1, 2006

Kritik an Lorenzers Triebbegriff

Gespeichert unter: Freud, Lorenzer, Text, Trieb — Schlagworte: , , , , , , — church-lippmann @ 10:43

Liebe ForumsteilnehmerInnen,

wie versprochen, stelle ich hiermit mein Referat über den Triebbegriff Lorenzers ins Netz. Es ist jedoch unvollständig und ich muss gestehen, dass ich z.Z. weder Zeit noch Lust habe es bis zum Ende auszuformulieren. Ich denke es dürfte genügen, wenn ich die Argumentation beim nächsten Treffen fort führe. Es fehlen die Diskussion des Kraftbegriffs, der Methode Lorenzers, des frühen Lorenzers, als auch Lorenzers Selbsteinschätzung Kritische Theorie zu betreiben. Ich werde hierfür bis zum nächsten Mal ein paar Zitate zusammen stellen.

Der Text: Sachvorstellung Erinnerungsspur Trieb

Da ich auf einen Vortrag von Christine Zunke (Das Gehirn als Material und Idee) bezug nehme, hier der Vortrag: gg.doc

Juli 3, 2006

Rückkehr vor Freud II: Literatur

Gespeichert unter: Hirnforschung, Text, blog — frankdirkopf @ 5:00

Auf meine Anfrage nach der Bitte von Lars, den erwähnten Text von Peter Schneider hier reinzustellen, bekam ich von demselbem die folgenden vier Texte (alle zum Thema), von denen ich ja nur den einen gelesen habe und die ich auf die schnelle leider nur grob folgendermassen sortieren kann: Der erste Text gibt in der Fussnote auf der ersten Seite die Quellenangaben der anderen und stellt sich dort als „Zusammenfassung“ der dortigen Gedanken vor; der letzte ist der von mir erwähnte, leider nicht in der letzten Fassung, weswegen gegenüber der Publikation der dortige erste Abschnitt fehlt.

Freuds konkrete Atopie

Psychoanalyse und Neurowissenschaften: Inkompatibilität!

Freud und das Konzept der psychischen Lokalität

Die De-Lokalisation der Seele

 

Juni 30, 2006

Kritischer Dialog

Gespeichert unter: Hirnforschung, Text — church-lippmann @ 6:17

Unter http://www.psychoanalyse-aktuell.de/wissenschaft/neurowissenschaft.html ist ein Artikel von Marianne Leuzinger-Bohleber zum „Dialog“ zwischen Neurowissenschaften und Psychoanalyse erschienen. Sie referiert zunächst die Geschichte dieses Dialogs und hält diesen prinzipiell für fruchtbar. Lorenzer bestimmt sie als einen Vorreiter des aktuellen Diskurses. Gegen Ende des Artikels warnt sie jedoch mit einem Zitat von Michael Hagner vor einer Verflachung des Denkens und des Erforschens des „psychischen Lebens“ durch das Paradigma der Bildgebendenverfahren.

Auch in diesem Artikel wird mir nicht deutlich, worin der Erkenntnisgewinn für die Psychoanalyse besteht. Das einzige Beispiel ist die Länge der Zeit (bzw. das Durcharbeiten), die die Analyse bedarf um psychische Strukturen zu ändern. Hier gewährt die Neurowissenschaft scheinbar Rückendeckung in dem sie belegt, dass sich die physiologischen Korrelate nicht schlagartig zu ändern vermögen. Die Neurowissenschaften werden hierbei als eine Art objektiver Maßstab präsentiert, mit dem sich die Psychoanalyse als kompatibel zu erweisen hat.

Ansonsten finde ich es erwähnenswert, dass die Fokussierung auf Hirnstrukturen zu einem linearen Verständnis der Zeitlichkeit zu führen scheint. Frühkindliche Erfahrungen prägen Hirnstrukturen, die sich schwerlich ändern lassen und die sozusagen an sich das weitere Leben determinieren. Dieses Verständnis von Zeitlichkeit, mit dem sich keinerlei Nachträglichkeit denken lässt, findet sich übrigens auch schon in Lorenzers Konzept der leiblichen Engramme/Interaktionsformen.

Juni 22, 2006

Rückkehr vor Freud

Gespeichert unter: Hirnforschung, Text, blog — frankdirkopf @ 7:41

Bin gerade nebenbei gestossen auf einen Text von Peter Schneider, der sich den "Furor des Lokalisierens" (Mittelweg 36, 11, 1 (feb 2002), 77-91), einen wohl nicht unwesentlichen Aspekt der Hirnforschung, vornimmt. U.a. mit dem Befund, mit der Vorstellung eindeutiger Lokalisierbarkeit kehrt sie zu Positionen zurück, die Freud nicht einfach fremd sind, sondern die er auf dem Weg zur Psa dezidiert überwunden hat (die Hoden der Aale finden…). Vielleicht muss die Psa ja dafür (wieder) hochgehalten werden, damit man sich an einer an ihr angelegten Regressionslinie der Theorieentwicklung orientieren kann (sich die Hirnforschung selbst dort lokalisieren kann). (Womit hat Freud sich eigentlich etwa um 1860 beschäftigt, nur damit man weiß, wohin die Reise geht?) Eine, wie mir scheint, einschlägige Freud-Stelle zu diesem Thema findet sich übrigens in "Das Unbewusste" (GW X, 273f.).

Juni 19, 2006

Hegel-marxistische Kritik an Roth

Gespeichert unter: Hirnforschung, Text — church-lippmann @ 11:39

Anbei eine gänzlich antipsychoanalytische Kritik an der Hirnforschung von Freerk Huisken. Ich habe den Text noch nicht ganz durchgearbeitet. Die Einleitung ist einigermaßen ärgerlich, da Huisken die Hirnforschung als die Radikalisierung der Psychoanalyse darstellt. Ab Punkt 2 ("Paradoxa und ihre scheinbare Auflösung") wird es spannend. Huisken rechnet Roth einige erkenntnistheoretische Paradoxa vor. Die Argumente sind, um im Jargon zu bleiben, "einleuchtend". Huisken setzt den freien Willen absolut, aber ich halte dies für eine bewußtseinsphilosophische Position, an der psychoanalytische Kritik ansetzen kann.

http://www.fhuisken.de/hirn.htm

posted von Lars Lippmann

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