Ich habe den relaunch des blogs als Anlass genommen im Internet nach Spuren von ehemaligen TeilnehmerInnen des Forums zu forschen. Hier die Ergebnisse:
Was macht also z.B. Anna Tuschling: Sie hat eine Stelle am Institut für Medienwissenschaft in Basel. Ihre Dissertation wird voraussichtlicht im August unter dem Titel „Klatsch im Chat – Freuds Theorie des Dritten im Zeitalter elektronischer Kommunikation“ bei transcript erscheinen. Letztes Jahr hat sie einen den Kongress „medias in res“ in Basel mitorganisiert. Sämtliche Vorträge des Kongresses, die ich bis auf wenige Ausnahmen äußerst spannend fand, und noch viele weitere Vorträge kann man als podcast auf der Doku-website des IfM herunterladen (das Herunterladen lohnt sich für firefox User, da die Vorträge als live-stream in firefox nach der Hälfte abbrechen). Viele der Vorträge gehen medientheoretische Fragestellungen aus psychoanalytischer Perspektive nach. Alles sehr hörenswert – besonders auch der Vortrag von Anna Tuschling selbst: “Messer ohne Klinge, an welchem der Stil fehlte”. G. C. Lichtenberg zu einer defekten Camera Obscura. In dem Vortrag legt Anna Tuschling eine wortwörtliche Lesart des bekannten Lichtenberg Zitats vor, dass z.B. in Freuds Witztheorie paradigmatisch für die Art des Unsinnswitz wurde. Neben der ausführlichen Darlegung der zahlreichen theoriegeschichtlicher Bezüge auf den Satz Lichtenbergs, gelingt es Anna Tuschling darzustellen, inwiefern sich das lichtenbergsche Messer als Vision der Funktionsweise des Computers interpretieren lässt.
Christine Kirchhoff arbeitet am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. Ihre Dissertation wird voraussichtlich im Oktober im Psychosozialverlag erscheinen und trägt den Titel: „Das psychoanalytische Konzept der >>Nachträglichkeit<< – Zeit, Bedeutung und die Anfänge des Psychischen“ . Über die Vorträge, die sie in den letzten Jahren gehalten hat, lässt sich im Internet leider nichts in digitaler Form finden. Dafür hat jedoch der Ça ira-Verlag ihren Beitrag in dem von ihr 2004 mitherausgebenen Sammelband „Gesellschaft als Verkehrung – Perspektiven einer neuen Marx-Lektüre. Festschrift für Helmut Reichelt“ als Leseprobe auf der Verlags-website veröffentlicht: „Die Möglichkeit als eine der Wirklichkeit fassen – Über den Erfahrungsbegriff Theodor W. Adornos„. Hierbei handelt sich um eine überarbeitete und deutlich erweiterte Fassung eines von Christine Kirchhoff 2003 auf der Bremer Adorno Konferenz „Gesellschaft im Widerspruch“ gehaltenen Vortrags. Der Artikel hält, was der Titel verspricht – Christine Kirchhoff reflektiert die zentrale Bedeutung des Erfahrungsbegriffs für die kritische Gesellschaftstheorie Adornos. Kritische Theorie nicht nur referiert, sondern gedacht und weitergedacht.
Katharina Rothe forscht im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung im Verbundprojekt Karriereverläufe von Ärztinnen und Ärzten in Leipzig und ist außerdem Redaktionsmitglied der Zeitschrift Psychoanalyse. Texte zur Sozialforschung. Ihre Dissertation ist Januar diesen Jahres unter dem Titel „Das (Nicht-)Sprechen über die Judenvernichtung – Psychische Weiterwirkungen des Holocaust in mehreren Generationen nicht-jüdischer Deutscher“ im Psychosozialverlag erschienen. Mit Oliver Decker et al. hat sie 2008 eine breit angelegte psychoanalytisch orientierte Studie zu Rechtsextremismus und Demokratieverständnis in Deutschland veröffentlicht: „Ein Blick in die Mitte. Zur Entstehung rechtsextremer und demokratischer Einstellungen in Deutschland“ – dies ist in der Tat der link zur kompletten Studie! Diese habe ich leider noch nicht gelesen, doch ich bin gespannt.